Velázquez' Las Meninas ist eines der rätselhaftesten Gemälde der Welt. Millionen Besucher stehen jedes Jahr davor, starren auf den Spiegel im Hintergrund - und doch weiß niemand genau, was er zeigt. Für den Kunsthistoriker Javier Soler ist dieses Bild Routine: Führungen, Vorträge, Aufsätze. Bis eine elegante Fremde nach einer abendlichen Sonderführung auf ihn wartet und ihm einen Vorschlag macht, den er nicht mehr aus dem Kopf bekommt.
Der private Sammlerkreis, den sie vertritt, glaubt an eine verbotene Lesart: Im 17. Jahrhundert habe sich um Velázquez ein kleiner Zirkel von Hermetikern gebildet, der versuchte, Seelen durch Spiegel und Bilder zu binden. Las Meninas und ein verschollenes Schwestergemälde seien nicht nur Kunst, sondern das Protokoll eines Rituals. Javier soll beweisen, dass an dieser Theorie etwas dran ist - exklusiv, gut bezahlt und unter strenger Verschwiegenheit.
Zwischen dem Prado in Madrid, einem florentinischen Depot und einem abgelegenen Landgut fügt Javier Bruchstücke zusammen: hermetische Traktate, Randnotizen eines Hofgelehrten, ein nahezu identisches Gemälde mit anderem Personal - und einen Spiegelsaal, der exakt auf die Blickachsen der Bilder ausgerichtet ist. Je mehr er sieht, desto schwerer fällt es ihm, alles als Projektion zu erklären.
Doch der Zirkel interessiert sich nicht für eine akademische Veröffentlichung. Er will das Ritual rekonstruieren. Und Javier ist für sie nicht nur Experte, sondern vor allem eines: ein Mann, dessen kleines Mädchen bei einem Unfall gestorben ist, und der sich geschworen hat, den Unterschied zwischen Öl auf Leinwand und einem lebendigen Kind nie zu verwechseln.
Als die Nacht des Experiments kommt, muss Javier entscheiden, was er bereit ist zu opfern - seine berufliche Existenz, die letzten Bilder seiner Tochter oder seinen Verstand. Am Ende bleibt eine Erklärung, mit der er weiterleben kann. Und ein Schatten im Spiegel, der sich der Gewissheit entzieht.
„Das Buch der Spiegel" ist ein düsterer europäischer Kunstthriller über Trauer, Verführung und die Frage, wie weit wir gehen, um ein verlorenes Gesicht noch einmal zu sehen.