Drei Jahre nach dem Verlust steht eine Frau vor dem Spiegel und übt Sätze, die nicht mehr nur der Arbeit gelten. Mia Graf schreibt von Trauer, die sich nicht auflöst, sondern Platz macht; von Freundinnen, die Namen auf Formulare setzen; von Kindern, die der Mutter erlauben, wieder lebendig zu sein; von einem Haus, das aus Liebe gebaut wurde und nun zu schmerzen droht, wenn niemand mehr darin lacht. Die Sammlung ist reif, warm, von einer Erotik getragen, die Geduld kennt und trotzdem nicht wartet.Julia trägt den Anzug, den Jorge ihr kaufte, und fürchtet, dass ihr Körper sie verraten könnte. Amy hat den Antrag gestellt. Der Brief von Viviana spricht von Schokolade, von einem Gott, der in einer Gestalt wohnen wird, von zwei Tagen Lieferzeit. Julia wehrt sich, weint, schwimmt Bahnen im Pool, spricht mit der Ältesten, die ihr sagt, sie solle die Tür öffnen und jeden Moment der Leidenschaft nehmen. Am Abend verkündet sie dem leeren Haus, dass sie es tun wird. Sie schläft nackt. Am Morgen liegt sie im Licht am Wasser, eingecremt, still, bereit, einer Chance auf sich selbst zu begegnen, nicht einem Ersatz für ihn.Manchmal ist das Begehren keine Untreue gegen die Toten. Es ist die letzte Treue gegen das Leben, das sie uns hinterlassen haben.