Erdberg ist kein Hintergrund. Erdberg schreibt zurück.
In „Fiakerplatz" durchquert der geheimnisumwitterte Örr Börr ein Wien, das unter seinen eigenen Straßennamen weiterarbeitet: das verschwundene Alt-Erdberger „Dörfel", die Assanierung der fünfziger Jahre, die Fuhrwerker- und Fiakertradition, das Beisl Alt Erdberg, die Höfe und Durchgänge des Rabenhofs, die politischen Sedimente des Roten Wien und die nächtlichen Achsen zwischen U-Bahn, Donaukanal, Innenstadt und Zentralfriedhof.
Die Gedichte arbeiten mit mechanischem Schriftbild, Kleinschreibung, Leerstellen, Listen, Kartenfragmenten und visueller Poesie. Historisches Material erscheint nicht als Fußnote, sondern als Geräusch: Hufschlag, Abbruchkante, Wäschereidampf, U-Bahn-Luft, Bronzedetail.
„Fiakerplatz" ist Stadtlyrik, Flaneur-Protokoll und poetische Archäologie - ein lyromanischer Spaziergang durch ein Erdberg, das gleichzeitig abgerissen, bewohnt, erinnert und neu erfunden wird.