Der Roman beginnt mit Dorians äußerlich geordnetem, innerlich tauben Alltag: Arbeit, U-Bahn, Bildschirmzeit, ein ständiges Hintergrundrauschen aus Nachrichten und Ablenkung, das ihm selbst kaum noch auffällt. Ein unauffindbares Buch über die Kraft innerer Bilder und die Begegnung mit einem Fremden in einer Kirche führen ihn zu einer kleinen, verborgenen Gemeinschaft, die sich wöchentlich trifft, um gemeinsam Stille zu üben.Unter der Anleitung des alten Lehrers Josef lernt Dorian zunächst einfache Übungen der inneren Sammlung, dann die bewusste Gestaltung kleiner Veränderungen in seinem Alltag. Parallel entwickelt sich eine enge Gemeinschaft aus Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebenswege, die alle auf eigene Weise zur selben Erkenntnis gelangt sind: dass hinter der ständigen Ablenkung des modernen Lebens eine ungenutzte innere Freiheit liegt.Als Dorian beginnt, seine neu gewonnene Fähigkeit für persönliche Vorteile einzusetzen, konfrontiert ihn Josef mit der zentralen Frage des Romans: Wofür? Für wen? Diese Unterscheidung zwischen Schöpfung aus Liebe und Schöpfung aus Eigennutz wird zum moralischen Rückgrat der gesamten Geschichte.Die Handlung verschärft sich, als Dorian erkennt, dass er beobachtet wird. Ein gezielter Angriff durch gefälschte Dokumente, berufliche Anschuldigungen und bürokratische Schikanen bedroht zunehmend sein bürgerliches Leben. Hinter diesen Angriffen steht Viktor Lanz, ein ehemaliges Mitglied eines verwandten Ordens, der die gleiche Gabe einst entdeckte, jedoch zu dem Schluss kam, dass die Menschheit mit dieser Freiheit nicht verantwortungsvoll umgehen könne. Aus dieser Überzeugung heraus hat Viktor mitgeholfen, ein gesellschaftliches System aus Reizüberflutung und Datenüberwachung zu errichten, das genau jene innere Stille verhindern soll, die Dorians Gemeinschaft kultiviert.