Der Autor, Publizist und Kritiker Karl Kraus (1874-1936) ist mit der ihm zugesprochenen Autorität und dem schieren Umfang seines Werks zum Monument geworden: "Die chinesische Mauer" (1910), "Die letzten Tage der Menschheit" (1918), "Weltgericht" (1919) "Wolkenkuckucksheim" (1923) bis zu seiner berühmten Zeitschrift. Als solches mag er selbst dann wirken, wenn er nicht einmal gelesen wird. Demgegenüber laden die Beiträge des Bandes zu ersten und wiederholten Lektüren ein. Entlang konkreter Texte und Schauplätze wird Kraus' Werk in seiner Beweglichkeit verfolgt: zwischen verschiedenen Gattungen und öffentlichen Rollen, zwischen Literatur und Wirklichkeit sowie von Satz zu Satz. Die scheinbar übergroße Figur tritt damit als Virtuose vielfältiger Tätigkeiten hervor: in der Herausgabe seiner Zeitschrift "Die Fackel", in der Rekonstruktion unübersichtlicher Ereignisse, im Nichtschreiben, Anekdotisieren, Übersetzen, Kommentieren, Unterbrechen und Maskieren wie im Versenden von Absagen und Liebesbriefen.Mit Beiträgen von Friedrich Balke, Dietmar Dath, Arno Dusini, Irene Fantappiè, Gal Hertz, Gerald Krieghofer, Isabel Langkabel, Bernhard Oberreither, Katharina Prager, Daniela Strigl, Thomas Traupmann und Friedrich Weber-Steinhaus.