Reinhard Johannes Sorge: Odysseus. Dramatische Fantasie
Entstanden 1911. Erstdruck in R. Sorge: Der Jüngling. Die frühen Dichtungen, München und Kempten (Kösel und Pustet), 1925.
Neuausgabe mit einer Biografie des Autors.
Herausgegeben von Karl-Maria Guth.
Berlin 2026.
Textgrundlage ist die Ausgabe:
Reinhard Johannes Sorge: Werke in drei Bänden. Eingeleitet und herausgegeben von Hans Gerd Rötzer, Nürnberg: Glock und Lutz, 1964.
Die Paginierung obiger Ausgabe wird in dieser Neuausgabe als Marginalie zeilengenau mitgeführt.
Der Text dieser Ausgabe wurde behutsam an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst.
Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage.
Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt.
Henricus - Edition Deutsche Klassik GmbH
Ithaka liegt in Dunkelheit. Odysseus ist verschwunden, Penelopeia wird von den Freiern bedrängt, und Telemachos ringt vergeblich um Haltung und Autorität. In dieser bedrückenden Welt erscheint ein Seher, der die Wiederkehr des Abwesenden ankündigt, während im Palast Angst, Begehren und Unheil immer stärker werden.
Reinhard Johannes Sorges Odysseus ist keine Nacherzählung der antiken Sage, sondern eine expressionistische Dramatische Fantasie, entstanden 1911. Der mythische Stoff wird hier zu einer Vision von Verfall, Erwartung und drohender Wandlung. Figuren treten weniger als Menschen aus Fleisch und Blut auf als als machtvolle Erscheinungen in einer symbolischen Nachtlandschaft.
Zwischen Klage, Weissagung und wachsender Spannung verdichtet sich das Geschehen zu einem Drama der Heimkehr, in dem Hoffnung und Bedrohung untrennbar ineinander greifen.